Veröffentlicht am September 10, 2026 • In Karriere • 5 Min. Lesezeit

Jobwechsel im Herbst: Warum September der beste Monat ist

Es gibt einen Moment im Jahr, an dem sich der Jobmarkt deutlich verändert – und die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer merken es kaum. Dieser Moment ist September. Unternehmen, die im Sommer ihre Budgets nicht ausgeschöpft haben, schalten jetzt Stellen frei. Entscheidungsträger kommen aus dem Urlaub zurück und haben Projekte im Kopf, für die sie Personal brauchen. Und Kandidatinnen und Kandidaten, die den ganzen Sommer über nachgedacht haben, werden konkret.

Wer einen Jobwechsel plant, sollte das wissen. September ist strukturell der stärkste Recruiting-Monat des Jahres – und wer in dieser Phase sichtbar ist, hat bessere Chancen als im Januar-Hype oder im ruhigen November.

54 %
der österreichischen Beschäftigten planen 2026 konkret einen Jobwechsel (Stepstone AT, 2026)
42 %
sind laut derselben Erhebung bereits aktiv auf Jobsuche
15–22 %
Gehaltssprung erzielen Wechselnde im österreichischen Markt im Schnitt (gehalt.at, 2025)

Warum September und nicht Januar

Der Jahresbeginn gilt als klassische Wechselzeit. Der Vorsatz, es dieses Jahr anders zu machen. Doch wer im Januar bewirbt, konkurriert mit allen anderen, die denselben Vorsatz haben – und das bei Unternehmen, deren Q1-Budgets oft noch nicht freigegeben sind.

September funktioniert anders. Die Budgets für das laufende Jahr sind da, offene Positionen müssen bis Dezember besetzt sein, und auf beiden Seiten – Kandidaten wie Unternehmen – herrscht eine nüchterne Ernsthaftigkeit, die im Januar oft fehlt. Wer im Oktober eine Stelle antritt, ist nach der Einarbeitungsphase genau dann produktiv, wenn das neue Jahr startet. Das wissen Personalverantwortliche.

Was in deiner Bewerbung jetzt entscheidet

Herbst-Recruiting hat ein höheres Tempo als die Frühjahrssaison. Unternehmen, die im September inserieren, wollen nicht bis März entscheiden. Bewerbungsprozesse laufen schneller, und das ist ein Vorteil – wenn du vorbereitet bist.

Was zählt Was oft unterschätzt wird
Aktueller, klarer Lebenslauf – auf die Stelle zugeschnitten, nicht generisch Bewerbungsplattformen-Profile aktualisieren (LinkedIn, karriere.at, arbeitgebercheck.at)
Kurzes, konkretes Anschreiben – was kannst du, was brauchst du Den Wunscharbeitgeber auf Bewertungsplattformen recherchieren, bevor du dich bewirbst
Schnelle Reaktionszeit auf Rückmeldungen – Herbst-Prozesse warten nicht lange Gehaltsvorstellung konkret kennen, nicht erst im Gespräch nachdenken
Vorbereitung auf das Gespräch – Fragen stellen, nicht nur antworten Kündigungsfrist im aktuellen Vertrag prüfen – in Österreich oft ein Monat zum Monatsende

Der richtige Zeitpunkt im eigenen Job

Einen Jobwechsel aus einer stabilen Position heraus zu planen ist angenehmer als aus dem Druck heraus. Wer noch im alten Job ist, kann ruhiger entscheiden, muss kein erstes Angebot annehmen und hat keine finanzielle Deadline. Das klingt selbstverständlich, aber viele warten, bis die Unzufriedenheit zu groß ist – und dann ist die Entscheidungsqualität schlechter.

September ist ein guter Zeitpunkt, weil das Halbjahresgespräch gerade stattgefunden hat. Du weißt, was dein Arbeitgeber von dir erwartet – und du weißt, ob das stimmt, was dir im letzten Jahresgespräch versprochen wurde. Wenn die Antwort auf beides unbefriedigend ist, ist das eine Information.

Einen Job zu wechseln ist keine Entscheidung, die man trifft, wenn es nicht mehr geht. Es ist eine, die man trifft, wenn man noch genug Spielraum hat.

Gehaltsverhandlung im Herbst: Was du wissen musst

Herbst-Einstellungen haben einen Vorteil: Das Unternehmen will die Stelle dieses Jahr noch besetzen. Das erzeugt Handlungsdruck auf der anderen Seite des Tisches, den du nutzen kannst. Nicht durch Taktik, sondern durch Vorbereitung. Wer seinen Marktwert kennt – konkrete Zahlen, keine Schätzungen – verhandelt ruhiger und überzeugender.

Konkret: Recherchiere vor dem ersten Gespräch, was für deine Rolle, deine Region und dein Erfahrungsniveau am Markt gezahlt wird. Aktuelle Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben sind seit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie die direkteste Quelle. Ergänzt durch anonyme Gehaltsdaten auf Plattformen wie arbeitgebercheck.at ergibt das einen verlässlichen Korridor.

Kündigungsfristen in Österreich – kurzer Überblick

Für Angestellte gilt das Angestelltengesetz: Die Kündigungsfrist beträgt im ersten und zweiten Jahr sechs Wochen zum Quartalsende – es sei denn, ein günstigeres Modell ist vertraglich vereinbart. Ab dem dritten Jahr verlängert sich die Frist auf zwei Monate. Viele Kollektivverträge sehen andere Regelungen vor. Im Zweifel: Vertrag lesen und bei der Arbeiterkammer nachfragen. Diese Auskunft ist kostenlos.

Wohin wechseln: Was der Herbst 2026 zeigt

Nicht jede Branche bietet denselben Spielraum. Im Herbst 2026 sind die Nachfrageschwerpunkte in Österreich klar: IT und Software, Gesundheit und Pflege, Bauwirtschaft und erneuerbare Energie suchen aktiv. In diesen Bereichen reichen Kandidatinnen und Kandidaten mit passablem Profil aus – weil der Markt dünn ist. In anderen Feldern – klassischer Einzelhandel, bestimmte Verwaltungsbereiche – ist die Lage umgekehrt.

Wenn du wechseln willst, aber noch nicht weißt wohin: Das AMS Berufskompass und die Branchenübersichten der WKO liefern eine realistische Einschätzung, welche Qualifikationen wo gebraucht werden. Das ist keine romantische Karriereberatung, aber eine nüchterne Entscheidungsgrundlage.

Was du vermeiden solltest

Massenbewerbungen. Sie funktionieren nicht besser als eine gezielte Bewerbung – sie erzeugen nur mehr Aufwand und schlechtere Ergebnisse. Zehn spezifisch vorbereitete Bewerbungen schlagen hundert generische.

Den ersten Schritt hinauszuzögern. Wer im September entscheidet zu suchen, aber erst im November beginnt, verpasst das Fenster. Gute Positionen sind im Herbst schnell besetzt.

Ein Angebot aus Angst annehmen. Wenn das erste Angebot nicht stimmt – Aufgabe, Gehalt, Führung, Kultur –, ist Ablehnen besser als Annehmen. Der nächste September kommt wieder.

Wie ist dein zukünftiger Arbeitgeber wirklich?

Auf arbeitgebercheck.at findest du anonyme Bewertungen von Mitarbeitenden – nach Unternehmen, Branche und Standort. Lies, bevor du unterschreibst.

Arbeitgeber recherchieren

Quellen & Referenzen

  1. Stepstone AT (2026): Jobwechselabsichten und aktive Jobsuche – österreichweite Erhebung. stepstone.at
  2. gehalt.at (2025): Gehaltssprung beim Jobwechsel – Österreich. gehalt.at
  3. AMS Österreich: Berufskompass – Berufe und Qualifikationen im Überblick. ams.at
  4. Arbeiterkammer Wien (2025): Kündigungsfristen für Angestellte in Österreich. arbeiterkammer.at
  5. EU-Richtlinie 2023/970 zur Entgelttransparenz – Gehaltsangaben in Stellenanzeigen. EUR-Lex